Therapie des Prostatakarzinoms mit Irreversibler Elektroporation (IRE)

Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes . Das Prostatakarzinom macht etwa 20 % aller Krebserkrankungen beim Mann aus, wobei 90 % der Erkrankten älter als 60 Jahre sind. Das Prostatakarzinom ist aber nur für 10 % aller Krebstodesfälle beim Mann verantwortlich.

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Prostatakarzinom - Diagnose und Therapie

In Autopsiestudien wurden bei 85 % der gesunden Männer über 85 Jahre ein Prostatakarzinom gefunden. Bei begründetem Verdacht auf das Vorliegen eines Prostatakarzinoms sollte eine transrektale-sonographisch gesteuerte Punktion der Prostata durch einen Urologen erfolgen. Dabei werden 10 - 12 Gewebezylinder aus verschiedenen Regionen der Prostata gewonnen und unter dem Mikroskop analysiert. Wird dabei ein Prostatakarzinom diagnostiziert, so wird das Stadium der Erkrankung nach der Einteilung der UICC (Union international contre le cancer) eingestuft.

Dabei unterscheidet man zwischen örtlich begrenzten Prostatakarzinomen (auf die Prostata begrenzt ohne Metastasen oder Lymphknotenbefall und ohne Infiltration in die Umgebung der Prostata) von fortgeschrittenen Prostatakarzinomen (Lymphknotenmetastasen oder andere Fernmetastasen, Infiltration der Umgebung oder von Nachbarorganen). Die örtlich begrenzten Karzinome werden anhand der Laborwerte (PSA) und der Histologie (Gleason-Score) weiter in drei verschiedene Risikogruppen (niedriges, mittleres und hohes Risiko) eingeteilt.

Die Therapie des Prostatakarzinoms orientiert sich im Wesentlichen an diesen Daten. Patienten mit niedrigem Risiko werden aufgrund der guten Prognose in der Regel nicht mit einer Operation (Resektion) oder Bestrahlung behandelt, da die Risiken dieser Therapien größer wären als das Risiko durch des Prostatakarzinom. Bei diesen Patienten ist die Therapie der Wahl die aktive Überwachung (active surveillance). Bei der aktiven Überwachung erfolgt keine gegen den Krebs gerichtete Therapie, sondern das Karzinom wird in regelmäßigen Abständen mit klinischen und laborchemischen Parametern (PSA) und bildgebenden Verfahren (Ultraschall, Magnetresonanztomographie) kontrolliert.

Die von uns angebotene Therapie des Prostatakarzinoms richtet sich an diese Patientengruppe mit niedrigem Risiko, die prinzipiell mittels aktiver Überwachung kontrolliert werden können, aber eine fokale Therapie des Karzinoms wünschen.

Fokale Therapie des Prostatakarzinoms

Fokale Therapien, bei denen nur der Teil des Organs behandelt wird, der vom Tumor befallen ist, haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten in der Behandlung vieler Tumorarten (Lebertumoren, Nierentumoren, Lungentumoren) etabliert.

In den letzten Jahren haben fokale Therapieoptionen auch bei der Behandlung des Prostatakarzinoms zunehmend an Interesse gewonnen.

Die fokale Therapie des Prostatakarzinoms steht zwischen der „aktiven Überwachung“ des Patienten und den „radikalen“ Therapien, bei denen die gesamte Drüse behandelt (chirurgisch entfernt oder bestrahlt) wird. 

Vorteile der fokalen Therapie

Radikale Therapien können mit erheblichen Komplikationen verbunden sein, da wichtige anatomische Strukturen, die die Prostata umgeben und für die Erektionsfähigkeit des Penis (Potenz) und die Kontrolle der Blasenentleerung (Harnkontinenz) verantwortlich sind, bei der Therapie geschädigt werden können. Demzufolge haben schonendere, fokale Behandlungsmethoden, die es meistens ermöglichen, die wichtigen Umgebungsstrukturen (z. B. Nerven) zu schonen, zunehmend an Interesse gewonnen.

Die irreversible Elektroporation (IRE) ist eine neuartige, minimal-invasive Behandlungsoption, die Vorteile gegenüber anderen fokalen Therapien gezeigt hat. Bei der IRE werden Tumorzellen zerstört, indem starke, örtlich begrenzte elektrische Felder, winzige Poren (Öffnungen) in den Zellmembranen verursachen und dadurch die Tumorzellen im Behandlungsgebiet zerstören. Ein wichtiger Vorteil der IRE gegenüber anderen minimal-invasiven Therapien (thermische Ablation z. B. Radiofrequenzablation (RFA), Cryoablation oder hoch-fokussierter Ultraschall (HIFU)) ist, dass bei dieser Technik nicht-zelluläre Gewebebestandteile weitgehend geschont werden. Blut- und Lymphgefäße sowie die Harnröhre und Nerven bestehen außer Zellen auch aus einer komplexen und stabilen Gewebematrix, die eine Regenerierung der Zellen nach der Therapie mittels IRE ermöglicht. Somit werden wichtige Strukturen wie Harnröhre und Nerven in der Regel nicht oder nur vorübergehend geschädigt.

Aufgrund der hohen, lokal eingebrachten Stromstärke mit entsprechenden Muskelzuckungen erfolgt die Therapie in Vollnarkose.

Irreversibler Elektroporation (IRE)

IRE beim Prostatakarzinom

Aufgrund dieser Eigenschaften der IRE und der vielversprechenden ersten Ergebnissen bei Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom (Onik und Emberton) wird diese Therapie auch an unserer Klinik angeboten. 

Allerdings können nicht alle Patienten mit Prostatakarzinom mittels IRE behandelt werden. Folgende Ein- und Ausschlusskriterien müssen bei der Planung einer Therapie mittels IRE beachtet werden: 

Einschlusskriterien 

  • Männliche Patienten (>18 Jahre), mit histologisch gesichertem nicht metastasiertem, unilateralem Prostatakarzinom T1-2aN0M0
  • PSA < 15 ng/ml Gleason-Score < 3+4. In der Magnetresonanztomographie (MRT) sichtbarer Tumore. Keine klinisch signifikanten Tumoranteile außerhalb des geplanten Behandlungsgebiets
  • Lebenserwartung > 10 Jahren

Ausschlusskriterien / Gegenanzeigen 

  • Fortgeschrittenes Tumorstadium des Prostatakarzinoms
  • Fernmetastasen oder Lymphknotenmetastasen des Prostatakarzinoms
  • Z. n. Bestrahlung oder fokaler Therapie (MWA, HIFU, RFA, Cryotherapie) der Prostata
  • Androgensuppression / Hormontherapie in den letzten 12 Monaten
  • Z. n. größerer Prostata-Chirurgie
  • Bekannte Allergie gegen MRT-Kontrastmittel oder Lokalanästhetika
  • Herzschrittmacherträger und nicht für eine Untersuchung in der MRT zugelassene Metallimplantate
  • Multimorbidität, V. a. Herzrhythmusstörungen
  • Eingeschränkte Nierenfunktion (glomeruläre Filtrationsrate (GFR) < 35ml/min)

Wie funktioniert die IRE

Die IRE ist eine moderne Tumortherapie, bei der Tumorzellen vernichtet werden, indem starke, örtlich begrenzte elektrische Felder winzige Poren (Öffnungen) in den Zellmembranen herbeiführen und dadurch die Tumorzellen zerstören. Die Reste der verstorbenen Tumorzellen werden dann von körpereigenen Zellen des Immunsystems (Makrophagen) aufgefressen (phagozytiert) und entsorgt. Die Applikation der genannten elektrischen Felder erfolgt durch dünne Nadeln, die unter Bildsteuerung durch den Damm ins Tumorareal eingeführt werden. Aufgrund der hohen, lokal eingebrachten Stromstärke mit entsprechenden Muskelzuckungen erfolgt die Therapie in Vollnarkose, sodass während der Intervention mit keinerlei Schmerzen zu rechnen ist. Die Bildsteuerung, die es ermöglicht die Nadeln unter ständiger visueller Kontrolle zu platzieren, erfolgt an unserer Klinik mittels Fusion der präoperativen MRT-Bilder mit den während der Intervention akquirierten Ultraschallbildern (MRT-US-Fusion). Dies stellt einen großen Vorteil dar, da mittels MRT-US-Fusionsbildern eine exakte Visualisierung des Tumors und somit eine sichere und zielgenaue Platzierung der Nadeln ermöglicht wird. Nach Einführung der Nadeln, beginnt die eigentliche Therapie. Die gesamte Intervention dauert ca. 1 Stunde. 

Nachsorge nach IRE

Für die Therapie nehmen wir die Patienten für 2 - 4 Tage stationär auf. Nach der Therapie bestehen keine Einschränkungen bezüglich der üblichen Gewohnheiten. Nach 6 - 8 Wochen und anschließend alle sechs Monate empfehlen wir eine Magnetresonanztomographie (MRT) der Prostata, um das Therapieergebnis zu überprüfen und neue Prostataläsionen auszuschließen. Sollte die MRT Untersuchung auswärts erfolgen, so bitten wir um Zusendung der Bilddaten als CD-Rom zur weiteren Beurteilung und Qualitätskontrolle. Zusätzlich zur MRT der Prostata sollte der Ablationserfolg mittels Prostata-spezifischem Antigen (PSA) überprüft werden.

Abbildungen und graphische Darstellungen

Aufnahme Multiparametrisches MRT
Abbildung 1) Multiparametrisches MRT eines Prostatakarzinoms (Pfeile) rechts in der peripheren Zone der Prostata. (a) In der T2-Wichtung kommen Prostatakarzinome als „dunkle“ Areale in der sonst „helleren“ peripheren Zone zur Darstellung. (b und c) Diffusionsgewichtete Bilder zeigen eine Diffusionsrestriktion der Wassarstoffmoleküle im Tumorareal, was auf die hohe Zelldichte von Tumoren zurückzuführen ist. (d) Die für Tumore typische Hypervaskularisation ist in den Kontrastmittelverstärkenten Bildern erkennbar, in denen Prostatakrzinome oft aufleuchten.
Abbildung 2) Darstellung eines Prostatakarzinoms in der MRT (links in T2 Wichtung) und korrespondierendes Ultraschallbild (rechts). Der grüne Ring markiert in beiden Techniken den Tumor. Im Ultraschall grenzt sich der Befund ebenfalls dunkel (in der Fachsprache echoarm) ab.
Abbildung 2) Darstellung eines Prostatakarzinoms in der MRT (links in T2 Wichtung) und korrespondierendes Ultraschallbild (rechts). Der grüne Ring markiert in beiden Techniken den Tumor. Im Ultraschall grenzt sich der Befund ebenfalls dunkel (in der Fachsprache echoarm) ab.
Abbildung 3) Bildgeführte Einführung der IRE-Elektrode durch den Damm mit Hilfe einer dedizierten Schablone (Grid). Die gesamte Prozedur erfolgt unter ständiger Bildkontrolle.
Abbildung 3) Bildgeführte Einführung der IRE-Elektrode durch den Damm mit Hilfe einer dedizierten Schablone (Grid). Die gesamte Prozedur erfolgt unter ständiger Bildkontrolle.

 

Kontakt

Minimal-invasive-Tumortherapie (MITT)
Charité Campus Virchow-Klinikum
Klinik für Radiologie (mit dem Bereich Kinderradiologie)
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin

t: +49 30 450 557 309
t: +49 30
450 557 947